Frühe Meister der Filmkunst

Hervorragende Filme der Zwanziger bis Sechziger Jahre

Die Geschichte des Films – der 7. Kunst – währt jetzt schon über 100 Jahre. Wer noch zu den Jüngeren gehört, und sich diese Geschichte erschließen will, der hat es in Anbetracht von über hundert TV-Sendern und den Permanent-Anbietern aus dem Streaming-Sektor mehr als schwer, sich zu orientieren. Zumal die öffentlich-rechtlichen Sender, die einst zuverlässig ihrem (Film)bildungsauftrag nachkamen, dies vor langem eingestellt haben.

Um sowohl erfahrenen CineastInnen (die viele bedeutende Filme lange nicht mehr im Kino sehen konnten) als auch interessierten Newcomern eine Möglichkeit zu bieten, sich Beispiele der Filmgeschichte auf der Leinwand anzusehen, zeigen wir ab August 2024 einmal wöchentlich sonntags ausgewählte Werke der FRÜHEN MEISTER DER FILMKUNST. Teils synchronisiert, teils im untertitelten Original, wenn das einen Mehrgewinn bringt.

Dabei hangeln wir uns im Alphabet von A bis Z, orientiert an den Nachnamen der besagten Meister. Natürlich werden Sie Namen und erst recht Filme vermissen, aber erstens sind nicht alle Filme für Kinos erhältlich und zweitens ist so eine Auswahl natürlich auch subjektiv zusammengestellt. Ach ja … „frühe“ bedeutet für uns die ersten 50 Jahre!

Daher beginnen wir die Reihe im August und September mit Werken von Antonioni, Bergman und Bunuel. Und falls Sie darauf positiv reagieren, geht es Im Oktober mit Regisseuren mit C weiter…

Geplant sind: Carné, Chaplin, Clair, Clément, Clouzot, Cocteau, Crichton, Cukor, Demy, Donen, Eisenstein, Fellini, Ford, Godard, Hawks, Hitchcock, Huston, Kazan, Keaton, Kubrick, Kurosawa, Lang, Lubitsch, Lumet, Malle, Mankiewicz, Melville, Murnau, Nichols, Ozu, Pasolini, Polanski, Powell/Pressburger, Preminger, Reed, Renoir, Resnais, Richardson, Rosselini, De Santis, De Sica, Staudte, Tati, Truffaut, Verneuil, Varda, Visconti, Welles, Wilder, Wyler, Zinnemann.

Nebenbei bietet die Reihe ein Wiedersehen mit großen Stars wie

Anouk Aimée, Jean-Paul Belmondo, Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Charles Chaplin, Joseph Cotton, Alain Delon, Catherine Deneuve, Henry Fonda, Jean Gabin, Greta Garbo, Dustin Hoffman, Gene Kelly, Anna Magnani, Jean Marais, Giulietta Masina, Toshiro Mifune, Yves Montand, Jeanne Moreau, Anthony Quinn, Vanessa Redgrave, Jean Seberg, Max von Sydow, Jacques Tati, Lino Ventura, Monica Vitti, Orson Welles u.v.a.

Nächste Filme:

Die mit der Liebe spielen/L'avventura (1960)

... nur am 4. August um 17:15 Uhr in Saal 1!

(L'avventura)

IT/FR 1960

Filmdrama

Regie: Michelangelo Antonioni

In der ungekürzten italienischen Originalfassung mit englischen Untertiteln! (In der deutschen Fassung fehlen 40 Minuten!)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Elio Bartolini, Tonino Guerra

Produktion: Amato Pennasilico

Musik: Giovanni Fusco

Kamera: Aldo Scarvada

Schnitt: Eraldo Da Roma

Besetzung: Gabriele Ferzetti, Monica Vitti, Lea Massari, Dominique Blanchar, Renzo Ricci, James Addams, Dorothy de Poliolo, Lelio Luttazzi, Giovanni Petrucci, Esmeralda Ruspoli u.a.

143 Minuten, s/w, FSK 18

Bei einem Inselausflug verschwindet die jugendliche Geliebte eines Architekten, worauf die Freundin des Mädchens dem leichtlebigen Mann verfällt, ohne daß es den beiden gelingt, eine tragfähige Lebensbindung zu finden. (filmdienst)

1960: Sonderpreis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes

1961: Étoile de Cristal für den besten ausländischen Film und die beste ausländische Darstellerin (Monica Vitti)

„Trotz kolportagehafter Handlung ein ernsthafter, in Spiel und Darstellung hervorragender Film, der Antonionis tiefen Pessimismus spiegelt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Liebe 1962 (1962)

... nur am 11. August um 12:00 Uhr in Saal 1!

(L'eclisse)

I/F 1962

Filmdrama

Regie: Michelangelo Antonioni

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Elio Bartolini, Tonino Guerra, Ottiero Ottieri

Produktion: Raymond & Robert Hakim

Musik: Giovanni Fusco

Kamera: Gianni di Venanzo

Schnitt: Eraldo Da Roma

Besetzung: Alain Delon, Monica Vitti, Francisco Rabal, Louis Seigner u.a.

126 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Gerade erst hat die junge Vittoria ihren Freund Riccardo nach einer durchstrittenen Nacht verlassen, da trifft sie auf den attraktiven Börsenmakler Piero. Bewegt von dem Gefühl, sich in ihrer Verlorenheit zu ergänzen, beginnen die beiden eine Beziehung. Doch sind sie wirklich fähig, das Wagnis der Liebe einzugehen? In streng komponierten, symbolisch aufgeladenen Bildern erzählt Antonionis Meisterwerk von der Brüchigkeit menschlicher Beziehungen und der Unfähigkeit, zu lieben. (Verleih)

Es ist der letzte Teil einer Trilogie, die Antonioni mit dem Film Die mit der Liebe spielen (L'Avventura, 1960 begann und 1961 mit Die Nacht fortsetzte. Der Film startete am 19. Oktober 1962 in der BRD und am 14. Januar 1972 unter dem Titel "Sonnenfinsternis" in den Kinos der DDR.

Der Film nahm am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1962 teil und gewann den Sonderpreis der Jury.

„Am Beispiel eines aus kleinen Verhältnissen stammenden römischen Mädchens zwischen zwei Männern greift Antonioni das Thema der Kontaktlosigkeit und Liebesunfähigkeit des modernen Menschen auf. Ein in Skepsis und Leere endendes Zeugnis eines wachen Geistes, durch die kontrapunktische Gestaltung nicht leicht aufzuschlüsseln. Die pessimistische, stark symbolische Gestaltung macht die Trostlosigkeit erlebbar, aber auch schwer zu ertragen.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Formal sehr aussagestarker Film, dessen Botschaft von der Kontaktlosigkeit und Lebensleere aufgeschlossene Zuschauer verlangt. Für Erwachsene mit kritischem Blick Anlaß zu Besinnung und Gespräch.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Blow Up (1966)

... nur am 18. August um 20:00 Uhr in Saal 1!

(Blowup)

Thriller

GB/IT 1966

Regie: Michelangelo Antonioni

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Edward Bond (nach der Kurzgeschichte 'Las Babas del Diablo' von Julio Cortázar)

Produktion: Carlo Ponti, Pierre Rouve

Musik: Herbie Hancock

Kamera: Carlo Di Palma

Schnitt: Frank Clarke

Besetzung: David Hemmings. Vanessa Redgrave, Sarah Miles, John Castle, Jane Birkin, Gillian Hills, Peter Bowles, Veruschka von Lehndorff, Susan Brodrick, Julian Chagrin u.a.

111 Minuten, Farbe, FSK 16

Im englischen Original mit deutschen Untertiteln!

Ein junger Londoner Starfotograf entdeckt bei der Vergrößerung einer Aufnahme, dass er vermutlich Zeuge eines Mordes gewesen ist. In Inszenierung, Fotografie und Darstellung hervorragender Film von Antonioni, der die Faszination des Bildes als Abbild tatsächlicher oder vermeintlicher Wirklichkeit und die Möglichkeiten der Manipulation aufzuzeigen versucht und zugleich ein Porträt der "Beat-Generation" zeichnet. (filmdienst)

Blow Up wurde der größte – und einzig größere – kommerzielle Erfolg von Antonioni in seiner gesamten Filmkarriere. Nicht zuletzt zog die aufwendige Werbung des großen Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer, für das Carlo Ponti den Film produziert hatte. MGM warb vor allem mit „hippen“ Elementen des Filmes wie den Swinging Sixties und der Mod-Szene. Die Zensureingriffe in mehreren europäischen Ländern steigerten das Interesse des Publikums.

Die Entscheidung, David Hemmings für die Hauptrolle zu besetzen, fiel erst spät. Sean Connery und Oskar Werner hatten vorher abgelehnt.

Oscar-Nominierung für Michelangelo Antonioni in den Kategorien "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch". Ausgezeichnet mit dem Grand Prix in der Filmfestspiele in Cannes

Das British Film Institute wählte Blow Up in seiner 1999 veröffentlichten Liste der besten britischen Filme des 20. Jahrhunderts auf Platz 60.

„In Inszenierung, Fotografie und Darstellung hervorragender Film von Antonioni, der die Faszination des Bildes als Abbild tatsächlicher oder vermeintlicher Wirklichkeit und die Möglichkeiten der Manipulation aufzuzeigen versucht und zugleich ein Porträt der Beat Generation zeichnet.“ (Katholischer Filmdienst)

Abend der Gaukler (1953)

... nur am 25. August um 20:00 Uhr in Saal 1!

(Gycklarnas afton)

S 1953

Filmdrama

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Produktion: Runne Waldekranz

Musik: Karl-Birger Blomdahl

Kamera: Hilding Bladh, Sven Nykvist

Schnitt: Carl-Olov Skeppstedt

Besetzung: Åke Grönberg, Harriet Andersson, Hasse Ekman, Anders Ek, Gudrun Brost, Annika Tretow, Erik Strandmark, Gunnar Björnstrand, Curt Löwgren, Åke Fridell u.a.

93 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Das Gastspiel eines kleinen Zirkus in der schwedischen Provinz gibt den Hintergrund für eine beklemmende Tragödie um Leidenschaften, Abhängigkeiten, Demütigungen, Frustrationen und Ängste. (filmdienst)

Bergman arbeitete bei 'Abend der Gaukler' erstmals mit seinem späteren langjährigen Kameramann Sven Nykvist zusammen. Ab 1961 bis 1983 drehte Nykvist ununterbrochen für Bergman. Abend der Gaukler war auch die erste Arbeit des Kostümbildners Max Goldstein alias „Mago“ für den Regisseur.

Der Film erhielt sowohl lobende als auch vernichtende Kritiken, an der Kinokasse war er jedoch ein „wirtschaftliches Fiasko“. Retrospektiv bewerteten Filmhistoriker wie Peter Cowie, Gösta Werner und Vernon Young 'Abend der Gaukler' als Meilenstein in Bergmans Schaffen. Die Kritikermeinung in Schweden war gespalten. Während der Morgontidningen von Bergmans bestem Film sprach, weigerte sich der Rezensent des Aftonbladet in eigenen Worten, das „Erbrochene“ näher in Augenschein zu nehmen. Positive Aufnahme fand der Film dagegen in Frankreich.

„Eine traurige Betrachtung über das Unvermögen des Menschen, sich seinem vorbestimmten Lebensdrama entziehen zu können. Durch die Eindringlichkeit der psychologischen Zeichnung, die meisterhafte formale Gestaltung und den Ernst der rein diesseitsbezogenen Haltung ist ein ebenso intensives wie zeitloses Gleichnis von der Last des menschlichen Daseins entstanden.“ (Lexikon des internationalen Films)

Das Lächeln einer Sommernacht (1956)

... nur am 1. September um 12:00 Uhr in Saal 1!

(Sommarnattens leende)

S 1955

Filmkomödie

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Produktion: Allan Ekelund

Musik: Erik Nordgren

Kamera: Gunnar Fischer

Schnitt: Oscar Rosander

Besetzung: Ulla Jacobsson, Eva Dahlbeck, Gunnar Björnstrand, Björn Bjelfvenstam, Margit Carlqvist, Jarl Kulle, Harriet Andersson, Åke Fridell, Naima Wifstrand, Gull Natorp, Jullan Kindahl u.a.

108 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Ein zynischer Advokat verliert seine unberührte junge Ehefrau an seinen Sohn aus erster Ehe und läßt sich von einer früheren Geliebten wieder erobern. (filmdienst)

Der Film war Bergmans erster großer internationaler Erfolg. Der Film war der vierte und erfolgreichste in einer Reihe von für Bergman ungewohnt komödiantischen Arbeiten, in denen er das Gespann Eva Dahlbeck/Gunnar Björnstrand zusammenbrachte. Der internationale Erfolg des Films und seine Auszeichnung auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1956 ermöglichten Bergman, sein Wunschprojekt "Das siebente Siegel" durchzusetzen. (Am 8.9. in dieser Reihe!)

Sonderpreis für seinen poetischen Humor bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1956

„Ingmar Bergmans um die Jahrhundertwende angesiedelte Gesellschaftskomödie zeigt sich inspiriert von Schnitzler und Strindberg, nimmt darüber hinaus Bezug auf Shakespeares ‚Sommernachtstraum‘, dessen heiter-melancholischer Tonfall allerdings mit einem Schuß Bitterkeit versetzt wird. Eine elegant inszenierte Studie über die Wechselbeziehungen zwischen Vernunft und Eros, Sinnlichkeit und Askese.“ (Lexikon des internationalen Films)

Das siebente Siegel (1957)

... nur am 8. September um 20:30 Uhr in Saal 2!

(Det sjunde inseglet)

S 1957

Filmdrama

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Produktion: Allan Ekelund

Musik: Erik Nordgren

Kamera: Gunnar Fischer

Schnitt: Lennart Wallen

Besetzung: Max von Sydow, Bengt Ekerot, Nils Poppe, Gunnar Björnstrand, Bibi Andersson, Åke Fridell, Inga Gill, Erik Strandmark, Inga Landgré, Gunnel Lindblom, Bertil Anderberg, Maud Hansson, Anders Ek u.a.

96 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Ein heimkehrender Kreuzritter findet seine Heimat von der Pest verwüstet vor und fordert den Tod zu einem Schachspiel heraus, das zu der nie endenden Frage um die Existenz Gottes wird. In den Ereignissen und Begegnungen weniger Tage offenbart sich die existenzielle Not einer Gesellschaft am Abgrund. (filmdienst)

Spezialpreis der Jury der Filmfestspiele von Cannes 1957

„Der dunkle, tiefgründige Film […] verteidigt das Leichte, Fröhliche. Leichtigkeit und Freude sind nicht dasselbe wie Oberflächlichkeit. […] wenn man Das siebente Siegel zum zweiten Mal sieht, beginnen die Konturen hervorzutreten und man entdeckt, welch Kunstwerk aus einem Guß der Film ist. Die Bedeutung tritt hervor. Die Menschen werden ‚modern‘. Das Spätmittelalter lebte in der Angst vor der Pest, unsere Zeit lebt in der Angst vor der Atombombe." (Stockholms-Tidningen)

„Eine durchdringende und kraftvolle Kontemplation über den Weg, den der Mensch auf dieser Erde zurücklegt. In ihrem Kern eine intellektuelle, aber auch emotional anregende Herausforderung, die schwierigste – und lohnendste – für den Kinobesucher bislang in diesem Jahr.“ (Bosley Crowther, New York Times)

„Das unmittelbar Erfahrbare, diese in Pestilenz sterbende Welt, [wird] nicht etwa bloß als Sinnbild oder gar als Allegorie, sondern als mit Grauen aufgeladene Wirklichkeit […] auf die Filmleinwand gebracht.“ Für Fürstenau bestand die Qualität des Films darin, „daß Bergman von der Situation des zweifelnden, modern reflektierenden Menschen her in eine Welt der klaren transzendenten Bezüge dringt, diese Welt empfindet, begreift, aus ihren eigenen Bedingungen heraus darstellt und sie gleichzeitig auf ein aktuelles Existenzbewußtsein hin auflöst.“ (Die Zeit)

"Im Rückgriff auf die Tradition mittelalterlicher Mysterienspiele meditiert der mit großer künstlerischer Kraft gestaltete Film über den Verlust von Sinnbezügen und die Suche nach Haltepunkten in einer neuzeitlichen Welt. Eine symbolträchtige Allegorie, geprägt von bitterer Skepsis.“ (Lexikon des internationalen Films)

Wilde Erdbeeren (1957)

.. nur am 15. September um 20:30 Uhr in Saal 2!

(Smultronstället)

S 1957

Filmdrama

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Produktion: Allan Ekelund

Musik: Erik Nordgren

Kamera: Gunnar Fischer

Schnitt: Oscar Rosander

Besetzung: Victor Sjöström, Bibi Andersson, Ingrid Thulin, Gunnar Björnstrand, Folke Sundquist, Björn Bjelfvenstam, Jullan Kindahl, Naima Wifstrand, Gunnar Sjöberg, Gunnel Broström, Max von Sydow, Ann-Marie Wiman, Gertrud Fridh, Åke Fridell u.a.

92 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Ein Tag im Leben eines 78jährigen Medizinprofessors, der auf dem Weg ins schwedische Lund, wo er eine Auszeichnung entgegennehmen soll, seine Vergangenheit wiederentdeckt. Die Stationen der Reise werden in Träumen, Visionen und Erinnerungsbildern zu Stationen einer Lebensbilanz; indem er Orten seiner Kindheit und Verwandten begegnet, erkennt er mit zunehmender Klarheit die Ursache seiner Kälte, Isolation, seelischen Verhärtung und Todesangst. (filmdienst)

Bei einer Umfrage unter Filmkritikern vom Filmmagazin Sight & Sound aus dem Jahr 2012 wurde der Klassiker zu einem der 100 besten Filme aller Zeiten gewählt.

Ingrid Thulin gab in 'Wilde Erdbeeren' ihr Debüt in einem Bergman-Film; die Rolle hatte der Regisseur eigens für sie geschrieben.

'Wilde Erdbeeren' wurde vielfach ausgezeichnet und untermauerte, nach dem Erfolg von 'Das Lächeln einer Sommernacht' (1955) und 'Das siebente Siegel' (1957), das internationale Renommee Bergmans.

„Ingmar Bergmans sensibel gestaltetes Meisterwerk um Leben, Gott und Tod fasziniert durch die virtuose Verschränkung von realistischen und surrealen Stilmitteln, von psychologischem Charakterporträt und philosophischem Diskurs. Hervorragend in der Hauptrolle: der schwedische Theater- und Stummfilmregisseur Victor Sjöström.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Eines der komplexesten und bewegendsten Werke der Filmgeschichte.“ (Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz, Lexikon Filme im Fernsehen)

Viridiana (1961)

... nur am 22. September um 20:30 Uhr in Saal 2!

(Viridiana)

MEX/ES 1961

Filmdrama

Regie: Luis Bunuel

Drehbuch: Julio Alejandro, Luis Buñuel, Benito Pérez Galdós

Produktion: Gustavo Alatriste

Musik: Gustavo Pittaluga

Kamera: José F. Aguayo

Schnitt: Pedro del Rey

Besetzung: Silvia Pinal, Francisco Rabal, Fernando Rey, José Calvo, Margarita Lozano, José Manuel Martín, Victoria Zinny u.a.

90 Minuten, s/w, FSK 18

Deutsche Synchronfassung.

Die desillusionierende Schilderung des Weges einer jungen spanischen Novizin, die nach dem Selbstmord ihres Onkels auf das Kloster verzichtet und dadurch karitativ wirkt, dass sie das Landgut ihres Onkels zu einem Asyl für Notleidende macht. Eine kurze Abwesenheit der jungen Frau nutzen die Armen zu orgienhafter Zerstörung. Nur knapp kann die Zurückgekehrte einer Vergewaltigung entgehen. (filmdienst)

Buñuel kehrte für die Dreharbeiten, auf Einladung von Diktator Franco aus dem mexikanischen Exil nach Spanien zurück. Mit dem Ergebnis war Franco jedoch in keiner Weise einverstanden, der Film wurde nach seiner Fertigstellung sofort verboten und erst 16 Jahre später freigegeben.

1961: Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes.

„Sozial- und religionskritischer Film von großer formaler wie thematischer Kraft, mit dem Buñuel heiligmäßige christliche Lebensbemühung durch die ebenso radikale Konfrontation mit Unmoral, Bosheit und sozialem Elend auf die Probe stellt. Die in zahlreichen zwielichtigen Symbolen ausgedrückte Polemik gegen die christliche Botschaft ist freilich nicht leicht zu entschlüsseln.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Ein gesellschaftskritischer Film, der am Beispiel einer dem Kloster entlaufenen Nonne aufzeigt, wie auch das bestgemeinte Handeln zum Scheitern verurteilt sein kann. Ein Film voll harter, aber nicht liebloser oder gar zersetzender Kritik. Erwachsenen zum Nachdenken und möglichst auch zur Aussprache in kirchlichen Kreisen empfohlen.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Der Würgeengel (1962)

... nur am 29. September um 20:30 Uhr in Saal 2!

(El ángel exterminador)

Mexiko/Spanien 1962

Surrealistisches Filmdrama

Regie: Luis Buñuel

Drehbuch: Luis Buñuel, Luis Alcoriza

Produktion: Gustavo Alatriste

Musik: Raúl Lavista

Kamera: Gabriel Figueroa

Schnitt: Carlos Savage

Besetzung: Silvia Pinal, Lucy Gallardo, Augusto Benedico, Jacqueline Andere, Enrique Rambal, José Baviera, Claudio Brook

95 Minuten, s/w, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Nach einem Theaterabend kehrt eine angesehene Gesellschaft in eine Villa zum Abendessen ein. Anschließend kann sie das Haus nicht mehr verlassen und ist tagelang gezwungen, bei abnehmender Respektierung konventioneller Schranken und zunehmenden Aggressionen der Gäste untereinander, den unerklärlich zwanghaften Zustand zu ertragen. Erst die Rekonstruktion der Ausgangssituation bricht den Bann, woraufhin sich eine ähnliche Konstellation beim Dankgottesdienst in der nahen Kirche ergibt. Ein tiefenpsychologisch beeinflußtes, surrealistisches Gleichnis über die sittliche und existentielle Bedrohung des Menschen, in dem das von Luis Buñuel mehrfach verwendete Motiv von der geschlossenen Gesellschaft höchste Verdichtung findet. (filmdienst)

Regisseur Luis Buñuel war 1962 für die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes nominiert. 1963 gewann Luis Buñuel den Bodil für den besten nicht-europäischen Film.

„Man muß den Würgeengel wiederholt anschauen. Weil nämlich dieser vollkommen klare und von vorne bis hinten lesbare Film in gleichem Maß ein Werk voller Geheimnisse ist, von schwindelerregender Komplexität […] weil unter der offensichtlichen Einfachheit der Inszenierung die eigentliche filmische Virtuosität Buñuels freien Lauf bekommt. Weil dieser Würgeengel einfach ein Meisterwerk ist.“ (France Observateur: Deutsches Filminstitut)

„Der […] Film ist wegen seiner irrationalen Grundhaltung und auch wegen der Fremdheit seiner Mentalität nur schwer zugänglich, vermag aber trotz oder vielleicht gerade wegen seiner esoterischen Eigenarten ein künstlerisches Kino-Erlebnis zu vermitteln.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Die Milchstraße (1969)

... nur am 6. Oktober um 20:30 Uhr in Saal 2!

(La voie lactée)
FR/IT 1969
Satire
Regie: Luis Bunuel
Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
Produktion: Serge Silberman
Musik: Luis Bunuel
Kamera: Christian Matras
Schnitt: Louisette Hautecoeur
Besetzung: Paul Frankeur, Laurent Terzieff, Delphine Seyrig, Michel Piccoli, Alain Cuny, Edith Scob, Bernard Verley, Julien Bertheau, Georges Marchal, Pierre Clémenti, Claudio Brook, Agnès Capri, François Maistre, Claude Cerval, Marcel Pérès, Michel Etcheverry u.a.
100 Minuten, Farbe, FSK 16

Deutsche Synchronfassung.

Die Clochards Pierre (Paul Frankeur) und Jean (Laurent Terzieff) pilgern von Paris aus auf dem Jakobsweg, der auch „Milchstraße“ genannt wird, nach Santiago de Compostela. Losgelöst von Zeit und Raum begegnen ihnen auf ihrem Pilgerweg historische Figuren. Sogar Jesus (Bernard Verley), der Marquis de Sade (Michel Piccoli) und der Leibhaftige (Pierre Clémenti) zählen zu ihren Begleitern. (Verleih)

„Die einer kabarettistischen Dramaturgie folgende Episodenrevue, die selbst Visionen von Gott und Teufel nicht ausläßt, erweist sich streckenweise als bissig-polemischer Versuch einer Abrechnung Buñuels mit Irrtümern und Irrgängen der katholischen Kirche.“ (Lexikon des internationalen Films)